Quelle: Liikenne- ja viestintäministeriö, 2015 www.lvm.fi

Digitalisierung und globaler Wettbewerb: Gewinner und Verlierer

Kaum jemand kennt sich mit Aufstieg und Fall im digitalen Zeitalter besser aus als die Finnen. Ein kurzes Video des finnischen Ministeriums für Transport und Kommunikation vom letzten Jahr enthält wichtige Hinweise darauf, wie Wirtschaft im digitalen Zeitalter funktioniert…

Finnland als Beispiel für Aufstieg und Fall im digitalen Zeitalter

Der finnische Konzern Nokia war im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts die unbestrittene Nummer eins unter den Mobiltelefon-Herstellern. Doch dann verpasste Nokia, zumindest mit seiner inzwischen verkauften Mobiltelefon-Sparte, den Zug der Zeit. Zehntausende Stellen gingen verloren. Heute sind „Nokia-Handys“, trotz einiger Comeback-Pläne, kaum mehr als eine nostalgische Erinnerung. Andererseits ist Nokia weiterhin ein funktionierender Konzern, nur eben mit anderen Geschäftsfeldern als früher. Sind Finnland und sein größter Konzern Nokia also ein Lehrstück aus der Wirtschaft im digitalen Zeitalter?

Ein vielsagendes Video über Gewinner und Verlierer Do we want to be part of the winning team?

Das finnische Ministerium  für Transport und Kommunikation veröffentlichte im Februar 2015 auf youtube ein aufschlussreiches Video, das bisher allerdings nur rund 1000 Mal angeklickt wurde – darunter bestimmt zwanzig mal von mir 😉 Das gut gemachte und unterhaltsame Video mit dem Titel „Digitalisierung ist eine Chance“ (Digitalisation is a possibility) fasst in zweieinhalb Minuten die Geschichte der Kommunikation zusammen. Es lohnt sich sehr, sich das Video bis zum Ende anzusehen:

Quelle: Finnisches Ministerium für Transport und Kommunikation, 2015 via youtube

Chancen und Risiken sind zwei Seiten der selben Medaille

Das Video spricht eine ganze Reihe von Chancen an, die das digitale Zeitalter bereit hält. Beispielsweise dass heute oft Daten von A nach B geschickt werden können, wo früher Menschen von A nach B reisen müssen; dass dies Chancen für Menschen und Umwelt birgt; dass sich durch eine digitale Vernetzung viele Prozesse viel intelligenter gestalten lassen und so weiter. Entsprechend euphorisch ist das mit lustigem Sound unterlegte Video. Aber ganz am Ende kommt ein Hinweis, der die ebenso wahre Kehrseite des digitalen Zeitalters beschreibt:

 Do we want to sit on the sidelines, watching the transformation with amazement? Or do we want to be part of the winning team?

Die Digitalisierung steigert nämlich nicht nur die Geschwindigkeit, in der neue Chancen und Märkte entstehen, sondern auch die Geschwindigkeit, in der Risiken entstehen. Insbesondere verkürzt sie die Halbwertszeit von Geschäftsmodellen und Qualifikationen. Schnellerer technologischer und wirtschaftlicher Wandel bedeutet, wie das Beispiel Nokais zeigt, auch: Was heute noch gut ist, kann schon morgen wertlos sein. Je nachdem, wie gut sich eine Gesellschaft anpasst kann sie entweder Teil des winning teams oder des losing teams sein. Im schlimmsten Fall bedeutet dies dann einen Verlust an Wohlstand, Arbeitsplätzen, Lebenschancen.

Digitalpolitik: Wandel kann und muss politisch gestaltet werden

Klingt nach Darwinismus. Aber ganz so schlimm ist es zum Glück doch nicht. Denn das finnische Ministerium hat auch Recht, dass die digitale Revolution durch eine intelligente Digitalpolitik seitens des Staates begleitet werden kann und muss. Wie gut ist die Gestaltung des digitalen Wandels bisher in unserem Land? Vielleicht postet demnächst unser Ministerium für Verkehr und digitale (!) Infrastruktur eine Antwort?

Dr. Klaus Neumann ist Historiker in Berlin und Autor des Blogs DigitalHammer.net. Er interessiert sich besonders für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Arbeitswelt. Er hat unter anderem Bücher zur Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland (2013) und zur „Freiheit am Arbeitsplatz“ (2015) veröffentlicht.

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